Die Ardennen bilden das grüne Herz Walloniens, eine hügelige Landschaft aus dichten Laubwäldern, tief eingeschnittenen Flusstälern und Dörfern mit Schieferdächern. Die Region erstreckt sich über die Provinzen Luxemburg, Namur und Lüttich und setzt sich bis ins Großherzogtum Luxemburg und nach Nordfrankreich fort. Wer dem Trubel von Brügge und Brüssel entfliehen möchte, findet hier das ursprünglichste Belgien: Hirsche und Wildschweine gehören zur Kulisse, die Luft riecht nach Moos und Kiefer, und hinter jeder Kurve taucht eine mittelalterliche Burg auf.
Flüsse, die die Landschaft prägen
Drei Flüsse geben den Ardennen ihren Charakter. Die Maas (Meuse) bahnt sich einen eindrucksvollen Weg durch die Kalkfelsen bei Dinant und Namur. Die Semois windet sich in anmutigen Schleifen durch die Wälder um Bouillon, beliebt bei Kajakfahrern und Fotografen. Und die Ourthe verbindet die Dörfer rund um La Roche-en-Ardenne, wo das Wasser im Sommer niedrig genug steht, um stundenlang zu paddeln.
- Die Maas: breit und majestätisch, gesäumt von Felswänden und Zitadellen
- Die Semois: verträumt und gewunden, durch Tabak- und Walddörfer
- Die Ourthe: ideal für Familien, die Kajak fahren oder baden wollen
Burgen und historische Städtchen
Bouillon wird von der ältesten und eindrucksvollsten Burg Belgiens beherrscht, einst der Besitz von Gottfried von Bouillon, dem Kreuzritter, der 1096 seine Güter verkaufte, um den Ersten Kreuzzug zu finanzieren. Die Festung erstreckt sich über drei Felsspitzen und bietet einen spektakulären Blick auf die Semois.
La Roche-en-Ardenne erhebt über der Ourthe die Ruine einer Feudalburg aus dem 11. Jahrhundert. In Dinant steigt die Zitadelle steil über dem Felsen auf; zu ihren Füßen steht die gotische Stiftskirche Notre-Dame mit ihrem birnenförmigen Turm. Dinant ist zudem die Geburtsstadt von Adolphe Sax, der 1846 das Saxophon patentieren ließ — die Stadt ehrt ihn mit Statuen und Musikfestivals.
Durbuy bezeichnet sich gern als kleinste Stadt der Welt: ein mittelalterlicher Kern aus Kopfsteinpflastergassen, eine Burg und eine bezaubernde Lage in einer Schleife der Ourthe. Und in Redu, dem Bücherdorf, füllen Antiquariate die alten Bauernhöfe — ein Paradies für Bibliophile.
Höhlen und Hochmoore
Unter der Erde öffnet sich eine andere Welt. Die Höhlen von Han (Grotte de Han) in Han-sur-Lesse gehören zu den schönsten Europas: Eine historische Straßenbahn bringt die Besucher zum Eingang, danach führt der Weg durch riesige Säle und Tropfsteinformationen, die der Fluss Lesse über Hunderttausende von Jahren geformt hat.
Im äußersten Osten liegt das Hohe Venn (Hautes Fagnes), das größte Naturschutzgebiet Belgiens. Diese weite Hochmoorlandschaft mit hölzernen Bohlenwegen, Moorseen und seltenen Pflanzen wirkt fast skandinavisch. Hier befindet sich auch das Signal de Botrange, mit 694 Metern der höchste Punkt des Landes, markiert durch eine Steintreppe, die symbolisch die Sechshundert-Meter-Marke überschreitet.
Aktiv in der Natur
Die Ardennen sind das ganze Jahr über ein Freiluftspielplatz. Im Sommer treiben Familien mit Kajaks über Ourthe und Lesse; Wanderer folgen markierten Pfaden durch die Wälder; Mountainbiker und Gravel-Fahrer finden Tausende Kilometer Routen.
- Kajak auf Ourthe, Lesse und Semois
- Wandern und Trailrunning durch Buchenwälder und entlang der Flussschleifen
- Radfahren und Mountainbiken auf dem weitläufigen RAVeL-Wegenetz
- Wildbeobachtung: Hirsche, Wildschweine und Biber
Die Küche der Ardennen
Die regionale Gastronomie ist deftig und ehrlich, verwurzelt in Wald und Fluss. Wild ist König: Rehragout, Wildschwein und Fasan füllen ab dem Herbst die Speisekarten. Der berühmte Ardenner Schinken wird langsam getrocknet und leicht über Wacholderholz geräuchert; er wird dünn geschnitten mit Brot und Cornichons serviert. Aus den klaren Bächen kommt die Forelle, oft à l'ardennaise mit Speck und Sahne zubereitet. Schließen Sie mit einem lokalen Bier oder einem Gläschen Péket ab, dem wallonischen Wacholderschnaps, und Sie schmecken die Seele der Region.
Ob Sie wegen der Burgen, der Höhlen oder einfach der Stille der Wälder kommen — die Ardennen zeigen eine Seite Belgiens, die viele Reisende nie entdecken. Nehmen Sie sich Zeit, übernachten Sie in einem Dorfgasthof und lassen Sie sich vom Rhythmus der Flüsse tragen.