Der Grand-Place: der schönste Platz Europas
Nur wenige Städte öffnen ihr Herz so überwältigend wie Brüssel. Wer zum ersten Mal den Grand-Place (Grote Markt) betritt, bleibt unwillkürlich stehen, überwältigt vom Glanz der vergoldeten Fassaden. Seit 1998 gehört der Platz zum UNESCO-Welterbe und gilt als eines der geschlossensten barocken Ensembles der Welt. Die meisten Häuser wurden nach dem Bombardement des französischen Marschalls de Villeroy im Jahr 1695 wiederaufgebaut, das das mittelalterliche Brüssel in nur drei Tagen in Schutt und Asche legte.
Jedes Zunfthaus erzählt seine eigene Geschichte. Das Haus Le Roy d'Espagne gehörte den Bäckern, Le Cornet den Schiffern, und Le Cygne — wo Karl Marx 1848 mit Engels am Kommunistischen Manifest arbeitete — war das Zunfthaus der Metzger. Über allem thront das gotische Rathaus, dessen 96 Meter hoher Turm von einer Statue des Erzengels Michael gekrönt wird, des Schutzheiligen der Stadt. Alle zwei Jahre, im August, wird der Platz mit einem riesigen Blumenteppich aus fast einer Million Begonien bedeckt.
Manneken Pis und der Brüsseler Humor
Nur wenige Straßen vom Grand-Place entfernt steht die berühmteste Statue Belgiens: der Manneken Pis. Der kaum 55 Zentimeter große Bronzejunge, 1619 von Jérôme Duquesnoy dem Älteren geschaffen, uriniert unbeirrt in sein Brunnenbecken. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihn: die eines Jungen, der eine brennende Lunte auslöschte und so die Stadt rettete, oder die des verirrten Sohnes eines Adligen, den man beim Wasserlassen wiederfand. Die Figur besitzt eine Garderobe von über tausend Kostümen, aufbewahrt im Museum GardeRobe MannekenPis. Seit 1987 hat er auch ein weibliches Gegenstück, Jeanneke Pis, in einer Gasse nahe der Rue des Bouchers.
Das Atomium und die Welt von 1958
Im Norden der Stadt, auf dem Heysel-Plateau, erhebt sich das Atomium: ein 102 Meter hohes Bauwerk, das eine Elementarzelle eines Eisenkristalls 165 Milliarden Mal vergrößert darstellt. Errichtet für die Weltausstellung Expo 58, verkörpert es den Nachkriegsglauben an Wissenschaft und Fortschritt. Die oberste Kugel bietet ein Panorama über ganz Brüssel. Direkt daneben liegt Mini-Europa, ein Miniaturpark, in dem man in wenigen Schritten vom Eiffelturm zum Big Ben spaziert.
Das Europaviertel: die faktische Hauptstadt der EU
Rund um den Schuman-Kreisverkehr schlägt das politische Herz des Kontinents. Hier stehen das Berlaymont — Sitz der Europäischen Kommission — und das Europäische Parlament mit seinem imposanten Plenarsaal. Das kostenlose Besucherzentrum Parlamentarium erklärt in 24 Sprachen, wie die europäische Demokratie funktioniert. In der Nähe erstreckt sich der Jubelpark mit seinem Triumphbogen von 1905 und dem Autoworld-Museum.
Jugendstil und Victor Horta
Brüssel ist die Wiege des Jugendstils. Um 1893 revolutionierte der Architekt Victor Horta die Baukunst mit geschwungenen Eisenlinien, Glas und natürlichem Licht. Vier seiner Stadthäuser — das Hôtel Tassel, Hôtel Solvay, Hôtel van Eetvelde und sein eigenes Wohnhaus (heute das Horta-Museum in Saint-Gilles) — zählen seit 2000 zum UNESCO-Welterbe. Schlendern Sie durch die Gemeinden Saint-Gilles und Ixelles, um Dutzende weiterer anmutiger Fassaden zu entdecken.
Museen, Schokolade und das praktische Brüssel
Kunstliebhaber kommen in Brüssel voll auf ihre Kosten. Das Magritte-Museum beherbergt die weltweit größte Sammlung des Surrealisten René Magritte. Das Musikinstrumentenmuseum (MIM) befindet sich in einem prachtvollen Jugendstilgebäude mit Dachterrassen-Café. Die Königlichen Museen der Schönen Künste zeigen Meisterwerke von Bruegel bis Rubens.
Für Atmosphäre und Shopping durchqueren Sie am besten die Königlichen Galerien Saint-Hubert von 1847, eine der ältesten überdachten Einkaufspassagen Europas. Der Sablon lockt mit Antiquitätenhändlern und Chocolatiers wie Pierre Marcolini.
- Probieren Sie echte belgische Pommes in einer Frittenbude, stets zweimal frittiert und in einer Tüte mit Mayonnaise serviert.
- Kosten Sie eine Brüsseler Waffel, dünner und luftiger als die Lütticher Variante.
- Erkunden Sie die Bierkeller: von Lambik und Geuze bis zu Trappistenbieren wie Westmalle und Chimay.
Praktisch ist Brüssel offiziell zweisprachig: Alle Straßennamen stehen auf Französisch und Niederländisch. Das Metronetz ist kompakt und effizient; mit einem einzigen Ticket erreichen Sie bequem jede Sehenswürdigkeit. Lassen Sie sich nicht von den grauen Bürovierteln abschrecken — das wahre Brüssel verbirgt sich in seinen Plätzen, Cafés und überraschenden Gassen.