Im südwestlichen Winkel Westflanderns, in der Region, die man den Westhoek nennt, erstreckt sich eine Landschaft, die für immer vom Ersten Weltkrieg gezeichnet ist. Um die Stadt Ypern tobte zwischen 1914 und 1918 einer der blutigsten Frontabschnitte des ganzen Krieges. Heute kommen Besucher aus aller Welt auf diese Felder — nicht der Sensation wegen, sondern um innezuhalten, zu gedenken und zu begreifen, was hier geschah.
Ypern an der Front
Ypern (niederländisch Ieper) lag im sogenannten Ypernbogen, einer Ausbuchtung in der Frontlinie, die die Alliierten unter enormen Verlusten verteidigten. Drei große Schlachten wurden hier ausgetragen. Während der Zweiten Ypernschlacht im April 1915 setzte die deutsche Armee erstmals in großem Umfang Giftgas — Chlorgas — gegen die Linien bei Langemark ein, ein Wendepunkt in der Geschichte der Kriegsführung.
Die Dritte Ypernschlacht 1917, auch als Schlacht von Passchendaele bekannt, wurde berüchtigt für den Schlamm, den Regen und die unvorstellbare Zahl der Opfer für nur wenige Kilometer Geländegewinn. Der Name Passchendaele ist seither zum Sinnbild für die Sinnlosigkeit des Grabenkrieges geworden.
Das Menentor und der Last Post
Nach dem Krieg wurde das völlig zerstörte Ypern Stein für Stein nach dem alten mittelalterlichen Vorbild wieder aufgebaut. An der Ostseite der Stadt erhob sich das Menentor (Menin Gate), ein monumentaler Triumphbogen mit den Namen von mehr als 54.000 vermissten Soldaten des Commonwealth, die kein bekanntes Grab haben.
Jeden Abend um 20 Uhr wird der Verkehr unter dem Tor angehalten, und der Last Post ertönt, gespielt von Signalbläsern der örtlichen Feuerwehr. Diese Zeremonie findet ununterbrochen seit 1928 statt — nur während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg unterbrochen — und ist eine der bewegendsten Ehrungen der Welt. Wer Ypern besucht, sollte diesen Moment nicht verpassen.
In Flanders Fields
Die Mohnblume wurde dank eines Gedichts zum universellen Symbol des Gedenkens. Im Mai 1915 schrieb der kanadische Militärarzt John McCrae nach dem Tod eines Freundes das Gedicht In Flanders Fields, das mit dem Bild der Mohnblumen beginnt, die zwischen den Kreuzen wehen. Die Blume, die auf aufgewühlter Erde gedeiht, wuchs massenhaft auf den verwüsteten Schlachtfeldern und wurde so zum Zeichen der Gefallenen.
In der wunderschön restaurierten Tuchhalle (Lakenhalle) am Großen Markt befindet sich heute das In Flanders Fields Museum. Es erzählt die Geschichte des Krieges auf persönliche, zurückhaltende Weise, mit Zeugnissen von Soldaten und Zivilisten, und hilft dem Besucher, die menschliche Dimension des Konflikts zu erfassen.
Die Friedhöfe
Rund um Ypern liegen mehr als hundert Soldatenfriedhöfe, jeder mit seiner eigenen Atmosphäre und Stille.
- Der Friedhof Tyne Cot bei Passchendaele ist der größte Commonwealth-Friedhof der Welt, mit fast 12.000 Gräbern und den Namen von weiteren 35.000 Vermissten an der Gedenkmauer
- Der deutsche Soldatenfriedhof von Langemark verströmt eine ganz andere, düstere Stimmung, mit flachen Steinen und dunklen Eichen; hier ruhen Zehntausende deutscher Soldaten, viele in einem Massengrab
- Zahlreiche kleinere Friedhöfe, verborgen zwischen den Feldern, zeigen, wie allgegenwärtig der Verlust war
Praktisch besuchen
Ein Besuch von Flanders Fields verlangt Zeit und Aufmerksamkeit. Ypern ist gut mit dem Zug erreichbar und bildet den idealen Ausgangspunkt. Rechnen Sie mit mindestens einem ganzen Tag: das Museum am Vormittag, die Friedhöfe am Nachmittag und der Last Post um 20 Uhr.
- Besuchen Sie das In Flanders Fields Museum und besteigen Sie den Belfried für den Überblick
- Leihen Sie ein Fahrrad oder buchen Sie eine geführte Tour nach Tyne Cot und Langemark
- Seien Sie pünktlich zum Last Post und wahren Sie während der Zeremonie Stille
- Tragen Sie angemessene Kleidung und respektieren Sie die Ruhe der Friedhöfe
Flanders Fields ist kein gewöhnliches Reiseziel, sondern ein Ort der Besinnung. Wer hierherkommt, verlässt die Region mit einem tieferen Verständnis für den Preis des Friedens — und mit dem Bild der Mohnblumen, die noch immer zwischen den Feldern blühen.